PM | Hamburg-Nord braucht mehr öffentliche Toiletten – kostengünstige Trocken-Toiletten sind die Lösung für fehlende öffentliche Toiletten im Bezirk Hamburg-Nord
[03.09.2026, Hamburg-Nord] – In Hamburg besteht ein erheblicher Mangel an öffentlichen Toiletten, besonders in Parks und an Kinderspielplätzen. Die Stadtreinigung betreibt im Bezirk Hamburg-Nord 25 öffentliche Toiletten. Zudem stehen einige weitere Anlagen wie Markttoiletten und Friedhofstoiletten zur Verfügung. Trotzdem reichen die bestehenden Einrichtungen nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Situation führt regelmäßig dazu, dass Menschen mangels Alternativen ihr Bedürfnis in den Büschen verrichten. Das ist nicht nur unangenehm für Besucher*innen, sondern schadet auch Büschen und Bäumen in den Grünanlagen. In den vergangenen Jahren gingen zahlreiche Eingaben und Anträge bei den zuständigen Gremien ein, die auf mehr öffentliche Toiletten abzielten. Diese Initiativen spiegeln die Dringlichkeit des Problems wider, das inzwischen als eines der wichtigsten Themen im öffentlichen Raum gilt.
„Das Bedürfnis nach mehr öffentlichen Toiletten ist wirklich dringend, das sagen uns die Bürger*innen fast wöchentlich. Doch bei Anträgen für neue Toiletten läuft die Bezirksversammlung regelmäßig vor die Wand, weil neue Toilettenanlagen nun mal mit 200 000 € und mehr wirklich teuer sind.“, so Wiebke Fuchs (Die Linke).
Hohe Baukosten verhindern klassische Lösungen. Die Realisierung neuer fester Toilettenanlagen scheiterte bislang häufig an den hohen Kosten.
Allein der Bau einer Toilette mit Anschluss an das Wasser- und Abwassernetz verursacht häufig Kosten ab 200.000 Euro. Besonders in Parks entstehen weitere Kosten, da entweder das Wassernetz erst aufwendig erschlossen werden muss oder ein Kanalanschluss zu finanzieren ist. Aus diesem Grund entstanden in der laufenden Legislaturperiode kaum neue Toilettenanlagen in Hamburg. Aus der Bevölkerung kamen wiederholt Forderungen nach pragmatischen, kostengünstigeren Lösungen für die öffentliche Toilettenversorgung. Im Bezirk Hamburg-Nord startete vor kurzem das Projekt "Nette Toilette" in Barmbek, das mit Sondermitteln gefördert wird und auf Kooperationen mit privaten Betrieben setzt. In Bergedorf wurde hingegen die Prüfung sogenannter "Oiletten" für Kinderspielplätze angestoßen. Dabei handelt es sich um Toilettensitze mit Plastiktüten, die nach Gebrauch in den Müll geworfen werden.
Trocken-Toiletten als erprobtes Modell
Ein Blick nach Berlin zeigt, dass mit Trocken-Toiletten eine praktikable und wirtschaftliche Lösung existiert. Von 2023 bis 2024 testeten die Berliner Behörden an 24 Park-Standorten fachgerecht installierte Trocken-Toiletten. Diese benötigen weder einen Wasser-, Abwasser- noch Stromanschluss. Die Anlagen funktionieren durch die Trennung fester und flüssiger Bestandteile, die sich nach Sammlung aufbereiten lassen. Zur Verhinderung von Geruchsbildung wird Streugut eingesetzt. Für die Handhygiene stehen Desinfektionsmittelspender bereit. Die Beleuchtung erfolgt durch Tageslicht und mit Solarzellen und Batteriespeicher. Die Toilettenanlagen umfassen mindestens eine barrierefreie Kabine, ein Steh-Urinal sowie ein Hockurinal. Die Nutzung bleibt für alle Nutzenden kostenfrei. Eine Evaluation des Modellprojekts ergab, dass Trocken-Toiletten von der Bevölkerung gut angenommen werden. Auch die Nutzung der Hockurinale wurde durchweg als angenehm bewertet. Die Berliner Verwaltung plant nach eigenen Angaben die Ausschreibung zum dauerhaften Betrieb dieser Anlagen.
„Trocken-Toiletten sind unfassbar günstig! Sie sind außerdem umweltfreundlich, geschlechtergerecht und barrierefrei, also quasi eine zur Toilette gewordene eierlegende Wollmilchsau, die wir uns nicht entgehen lassen sollten.“ - Wiebke Fuchs (Die Linke)
Kostenvorteile und Nachhaltigkeit Trocken-Toiletten bieten wesentliche Vorteile im Vergleich zu konventionellen Anlagen.
Die Anschaffungskosten beginnen bei etwa 30.000 Euro und liegen damit deutlich unter den Ausgaben für herkömmliche Toilettenhäuser. Im Betrieb fallen keine Gebühren für Wasserverbrauch und Kanalisation an. Während bei herkömmlichen Toilettenspülungen je nach Modell 6 bis 14 Liter Wasser pro Nutzung anfallen, kommen Trocken-Toiletten komplett ohne Wasser aus. Das leistet einen Beitrag zur Ressourcenschonung. Dadurch entstehen für das Bezirksamt erhebliche Einsparungen, die die Einrichtung zusätzlicher Standorte ermöglichen. Die Erfahrung aus Berlin zeigt, dass auch Aspekte der Barrierefreiheit, Geschlechtergerechtigkeit und Klimafreundlichkeit erfüllt werden können. Die Anlagen verfügen über zugängliche Kabinen und berücksichtigen unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse.
Wiebke Fuchs (Die Linke)
E-Mail: w.fuchs@linksfraktion-nord.de
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