Antrag | Referenten-Einladung Hamburger Gehörlosenverband und Geschichtswerkstatt Eppendorf
Im Juli 2025 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft einen historischen überfraktionellen Antrag. Die Bürgerschaftsabgeordneten baten die Gehörlosengemeinschaft um Verzeihung für das Unrecht, das so viele von ihnen erlitten hatten durch das Gebärdensprachverbot in der Hamburger Gehörlosenschule. Diesem Beschluss vorangegangen war ein Antrag der Linksfraktion und eine öffentliche Anhörung im Sozial-Ausschuss am 06.02.2025, in der viele Betroffene von ihren leidvollen Schul- und Lebenserfahrungen berichteten.
Bis weit in die 1990er Jahre war die Gebärdensprache in der Schule verboten, stattdessen sollten alle Kinder die Lautsprache artikulieren lernen und vom Munde absehen lernen (war nur zu einem Bruchteil überhaupt möglich ist). In der Schule wurde ausschließlich die Lautsprache verwendet. Das führte zu einer sprachlichen Deprivation mit lebenslangen negativen Folgen.
Der Erfinder und Verfechter der Lautsprach-Methode war Samuel Heinicke (10.04.1726 – 29.04.1790), der seine erste Wirkungsstätte in Eppendorf hatte. Ein Denkmal im Seelemannpark und die Heinicke-Straße in Eppendorf erinnern an ihn und seine zweite Ehefrau. Denkmal und Straßenbenennung beziehen sich beide auf ein komplett positives Narrativ, dass in der heutigen Zeit so nicht mehr aufrechterhalten werden kann und sollte.
Der Hamburger Gehörlosenverband möchte zusammen mit der Geschichtswerkstatt Eppendorf und dem Inklusionsbeirat Hamburg-Nord anlässlich des 300. Geburtstags von Heinicke im nächsten Jahr eine inklusive Veranstaltung durchführen und auch das Denkmal kontextualisieren, damit die Gehörlosengeschichte in Eppendorf inklusiv dargestellt werden kann, nämlich in ihrer ganzen Vielschichtigkeit und unter Beteiligung der Betroffenen selbst.
Unseren Antrag findest Du hier: Drucksache 22-2198
Die Linke Fraktion Hamburg-Nord
Bjørn Knutzen, Dino Ramm, Wiebke Fuchs, Volker Honold

